Artikel-Schlagworte: „Körperbau“

Bleiben wir doch bei den Hundeausstellungen in Österreich: Die Showringe sind meist derartig klein bemessen, dass eine umfassende Beurteilung des Gangwerks eines Hundes von der Seite her aufgrund der Abmessungen des Ringes meines Erachtens nicht möglich sind. Manche Richter lassen die Hunde ja nicht mal mehr im Kreis laufen, sondern nur geradeaus von ihm weg und zurück und beurteilen auf diese Weise also nur die Beinbewegung der Vorder- und Hintergliedmaßen. Dem Bewegungsablauf des Hundes von der Seite her betrachtet wird auf den FCI-Shows meiner Meinung nach viel zu wenig Beachtung geschenkt.

Dieser Umstand bewirkt, dass sich das Gangbild des Australian Shepherds zusehends zum Schlechten verändert:  Aussies, mit kurzen, trippeligen Schritten und nicht ausgewogenen Bewegungen der vorderen und hinteren Gliedmaßen gewinnen oft ihre Klassen. Doch der Australian Shepherd ist vom Ursprung her ein Arbeitshund, wie es auch im Standard steht:

“……VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN) : Der Australische Schäferhund ist ein intelligenter Arbeitshund mit ausgesprochenem Hüte- und Bewachungsinstinkt. Er ist ein pflichtgetreuer Gefährte und fähig, mit Ausdauer den ganzen Tag zu arbeiten.

GANGWERK : Die Gangart des australischen Schäferhundes ist geschmeidig, leicht und frei. Er ist sehr behände mit einem harmonischen, raumgreifenden Bewegungsablauf…”

Wie ist es einem Arbeitshund denn möglich, mit nicht korrektem Bewegungsablauf den ganzen Tag zu arbeiten? Wahrscheinlich gar nicht mehr, denn er wird viel zu schnell ermüden, da er aufgrund der verkürzten Schrittlänge vergleichsweise mengenmäßig mehr Schritte machen muss, um die gleiche Distanz zurückzulegen wie ein korrekt laufender Hund. Auch Gelenksverschleißerscheinungen sind zu erwarten, sollten die Hunde wirklich so eingesetzt werden, wie es ihnen ursprünglich zugedacht war.

Doch  wir sollten danach trachten zu erhalten, was wir haben: einen sich toll bewegenden Arbeitshund. Auf den Shows sollte daher von den Richtern meiner Meinung nach wesentlich mehr Augenmerk auf die Bewegung der Hunde im Laufen gelegt werden.

 

Auf den letzten Hundeausstellungen, die ich besucht habe, sind mir recht viele große, sehr schwere, grobknochige Aussies mit wenig Hals aber dafür mit unheimlich viel Fell begegnet, die für mich auch nicht mehr aussietypisch ausgesehen haben. Doch genau dieser Typ von Australian Shepherds wird von den Show-Richtern vielfach bevorzugt, die größeren, stärkeren Aussies werden meist wesentlich besser bewertet als die Kleineren, Zierlichen.  Es ist abzusehen, wohin dieser Trend in Zukunft führen wird: Der Aussie wird immer größer und schwerer werden aufgrund der Bevorzugung dieses Typs durch die Showrichter. Die kleineren, leichteren Hunde werden auf den Ausstellungen in Zukunft wohl bald keine Chance mehr haben zu gewinnen. Ich persönlich finde diese Entwicklung sehr schlimm, da doch im Standard des Australian Shepherds zu finden ist:

„……ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD : Der Australische Schäferhund ist gut proportioniert, etwas länger als hoch und von mittlerer Größe und Knochenstärke. Die Farben seines Haarkleides haben eine große individuelle Variationsbreite. Er ist aufmerksam und lebhaft, geschmeidig und beweglich, kräftig und gut bemuskelt, jedoch ohne jede Schwere.

WICHTIGE MASSVERHÄLTNISSE : Die Länge des Rumpfes (von der Brustbeinspitze zum Sitzbeinhöcker gemessen) ist etwas größer als die Widerristhöhe. Der Australische Schäferhund ist somit etwas länger als hoch.
Körperbau : Robust, Knochenstärke mäßig. Der Körperbau des Rüden ist geschlechtstypisch kräftig, ohne jedoch derb zu wirken. Die Hündin ist sehr weiblich in ihrem Aussehen, jedoch ohne jegliche Schwäche in ihrem Knochenbau……“

Dieser Trend hin zu den großen, schweren Aussies ist für mich sehr bedenklich und wird die Rasse stark verändern, für mich leider nicht unbedingt zum Positiven: Denn durch diese Veränderung verliert der Aussie viel von seinem rassetypischen Erscheinungsbild, seine Bewegungen verändern sich, werden schwerfälliger und behäbiger, die Wendigkeit der Hunde ist dadurch stark eingeschränkt.  Vom ehemaligen Arbeitshund, lebhaft und beweglich, wie es im Standard steht und dem Hund, darauf hingezüchtet wurde, den ganzen Tag zu arbeiten, behände hin und her zu laufen, um Schafe zu hüten, bleibt dann leider nicht mehr allzu viel übrig….