Die Population der Australian Shepherds in Europa ist stark im Wachsen begriffen, trotzdem sind die züchterischen Möglichkeiten leider durch die Trennung der Aussie-Zucht in FCI- und ASCA-Linien sehr stark eingeschränkt.  Hierbei geht es nicht um die gesundheitlichen Voraussetzungen oder die Qualität der Zuchttiere sondern lediglich um den Nachweis von Papieren: FCI-Aussies dürfen nach derzeit gültigem  Reglement nur mit FCI-Aussies verpaart werden, wenn die Welpen FCI-Papiere erhalten sollen.

Hier fällt schon mal ein Großteil der europäischen Aussies für die FCI-Zucht flach, weil sie nur ASCA-Papiere besitzen. Grundsätzlich wären die aus Amerika importierten Aussies mit AKC-Papieren (FCI-Partnerverein in den USA)  in Österreich zur FCI-Zucht zugelassen, aber nur wenn für sie auch die österreichischen Zuchterfordernisse beigebracht werden können. So sind dafür abgesehen von den gesundheitlichen Nachweisen zwei  FCI-Showbewertungen und eine Begleithundeprüfung (BH-Prüf.) vorgeschrieben. Züchter, die AKC-Hunde importiert haben, aber in Europa mit ASCA-Papieren züchten, besuchen im Normalfall keine FCI-Shows mit ihren Hunden, also fallen auch diese Hunde somit für die FCI-Zucht  weg. Nur wenige Hunde aus den Nachbarländern  Österreichs können Begleithundeprüfungen oder Wesenstests vorweisen (da diese in ihren Heimatländern für die Zucht auch nicht vorgeschrieben sind).

Es bleibt also unter diesen Bedingungen für die FCI-Zucht in Österreich leider nur eine stark eingeschränkte Population von Aussies übrig. Dies führt natürlich zum Einsatz einer recht bescheidenen Anzahl von Deckrüden im deutschsprachigen Raum, weil andere Möglichkeiten aufgrund der Zuchtbestimmungen verwehrt sind. Interessante importierte und gute Rüden aus neuen Linien können vielfach nicht für die Zucht eingesetzt werden, weil ihre Besitzer dem falschen Verein angehören. Dies kann für die Rasse nicht als  vorteilhaft angesehen werden, wenn man bedenkt, dass der Australian Shepherd an sich schon von seinem Ursprung her eine sehr eng gezogene Rasse darstellt. Inzuchtdepression und Popular-Sire-Syndrom stellen große Gefahren für die Zucht dar, wenn die Auswahl von Deckrüden in einer Rasse stark limitiert ist.

Ich persönlich finde es daher ausgesprochen schade, dass bei der Zucht der FCI-Aussies in Österreich größerer Wert auf die Abstammung  der Hunde und die Vereinszugehörigkeit der Züchter gelegt wird als auf eine generelle positive Entwicklung der gesamten Aussie-Population, die schon rein aufgrund der großen Entfernung vom Ursprungsland der Rasse nicht  besonders groß ist.

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