Archiv für Januar 2012

Unter  „Popular-Sires“  versteht man häufig verwendete Deckrüden in der Zucht. Sie haben sehr viele Nachkommen und haben daher einen großen Einfluss auf die Zucht, die Gesundheit, das Aussehen und das Wesen der gesamten Rasse.  Durch die häufige Verwendung derselben beliebten Rüden wird die genetische Vielfalt einer Rasse eingeschränkt, was sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die ganze Rasse haben kann: Zum Einen führt der Einsatz von Popular-Sires natürlich zu einer größeren Einheitlichkeit innerhalb einer Rasse, auf der anderen Seite werden dadurch bestimmt Gene innerhalb einer Rasse stark reduziert oder ganz zum Verschwinden gebracht, wohingegen die Frequenz anderer Gene stark erhöht wird (genetische Drift).  So werden Eigenschaften in einer Rasse fixiert, die sowohl positiv wie auch negativ sein können. Auf der negativen Seite können  rezessive Defektgene  durch die Verwendung von Popular Sires an sehr viele Nachkommen weitergegeben  und in der Rasse verbreitet werden. Die negativen Folgen dieses Umstands für die Rasse werden jedoch erst  viel später erkannt.

Eine weitere Gefahr in Verbindung mit der Verwendung von Popular-Sires ist der Anstieg des Inzuchtniveaus einer Rasse: Die  Nachkommen jener beliebten Rüden werden auch weiterhin miteinander verpaart, bis man auf den ersten Blick gar nicht mehr so  genau erkennen kann, wie sehr die einzelnen Hunde eigentlich miteinander verwandt sind, da die gleichen Namen nicht mehr auf den Stammbäumen aufscheinen und schon weiter zurückliegen.  Die damit verbundene Inzuchtdepression,  also  eine Schwächung in  Fruchtbarkeit und Vitalität einer Rasse, muss in diesem Zusammenhang leider angeführt werden.

Die Verwendung von möglichst vielen Vatertieren innerhalb einer Rasse wirkt sich also positiv auf die genetische Vielfalt einer Rasse aus und limitiert die Verbreitung von Defektgenen. Bei der Aussie-Zucht in Österreich ist dies leider aufgrund der Zuchtbestimmungen nur eingeschränkt möglich.

Die Population der Australian Shepherds in Europa ist stark im Wachsen begriffen, trotzdem sind die züchterischen Möglichkeiten leider durch die Trennung der Aussie-Zucht in FCI- und ASCA-Linien sehr stark eingeschränkt.  Hierbei geht es nicht um die gesundheitlichen Voraussetzungen oder die Qualität der Zuchttiere sondern lediglich um den Nachweis von Papieren: FCI-Aussies dürfen nach derzeit gültigem  Reglement nur mit FCI-Aussies verpaart werden, wenn die Welpen FCI-Papiere erhalten sollen.

Hier fällt schon mal ein Großteil der europäischen Aussies für die FCI-Zucht flach, weil sie nur ASCA-Papiere besitzen. Grundsätzlich wären die aus Amerika importierten Aussies mit AKC-Papieren (FCI-Partnerverein in den USA)  in Österreich zur FCI-Zucht zugelassen, aber nur wenn für sie auch die österreichischen Zuchterfordernisse beigebracht werden können. So sind dafür abgesehen von den gesundheitlichen Nachweisen zwei  FCI-Showbewertungen und eine Begleithundeprüfung (BH-Prüf.) vorgeschrieben. Züchter, die AKC-Hunde importiert haben, aber in Europa mit ASCA-Papieren züchten, besuchen im Normalfall keine FCI-Shows mit ihren Hunden, also fallen auch diese Hunde somit für die FCI-Zucht  weg. Nur wenige Hunde aus den Nachbarländern  Österreichs können Begleithundeprüfungen oder Wesenstests vorweisen (da diese in ihren Heimatländern für die Zucht auch nicht vorgeschrieben sind).

Es bleibt also unter diesen Bedingungen für die FCI-Zucht in Österreich leider nur eine stark eingeschränkte Population von Aussies übrig. Dies führt natürlich zum Einsatz einer recht bescheidenen Anzahl von Deckrüden im deutschsprachigen Raum, weil andere Möglichkeiten aufgrund der Zuchtbestimmungen verwehrt sind. Interessante importierte und gute Rüden aus neuen Linien können vielfach nicht für die Zucht eingesetzt werden, weil ihre Besitzer dem falschen Verein angehören. Dies kann für die Rasse nicht als  vorteilhaft angesehen werden, wenn man bedenkt, dass der Australian Shepherd an sich schon von seinem Ursprung her eine sehr eng gezogene Rasse darstellt. Inzuchtdepression und Popular-Sire-Syndrom stellen große Gefahren für die Zucht dar, wenn die Auswahl von Deckrüden in einer Rasse stark limitiert ist.

Ich persönlich finde es daher ausgesprochen schade, dass bei der Zucht der FCI-Aussies in Österreich größerer Wert auf die Abstammung  der Hunde und die Vereinszugehörigkeit der Züchter gelegt wird als auf eine generelle positive Entwicklung der gesamten Aussie-Population, die schon rein aufgrund der großen Entfernung vom Ursprungsland der Rasse nicht  besonders groß ist.

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